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Bernd Kestler in Warmbronn beim Wolltastisch

30. Sept.
4 Min. Lesezeit

Von Osaka nach Warmbronn: Wir stricken mit Bernd Kestler


Am Samstagvormittag wird beim Wolltastisch eine Verbindung aufgebaut, auf die ich mich besonders freue. Im Workshopraum liegen von euch Garn und Nadeln bereit, auf dem Bildschirm erscheint Bernd Kestler – und dann stricken wir gemeinsam. Wir in Warmbronn, Bernd in Osaka. Zwischen uns liegen Tausende Kilometer, aber wir beschäftigen uns mit denselben Maschen und demselben Tuch.

Ist das nicht irre?


Dass Bernd beim ersten Wolltastisch LEONBERG – Wollfestival Warmbronn dabei ist, bedeutet mir viel. Wir können ihn zwar nicht persönlich in der Staigwaldhalle begrüßen, aber dank der Liveschaltung wird er seinen Workshop direkt aus Japan mit euch gestalten.

Ihr könnt ihm zuhören, seine Erklärungen am eigenen Strickstück ausprobieren und Fragen stellen.

Genau diese Begegnungen wünsche ich mir für unser Festival.


Bernd lebt seit 1998 in Japan. Mit seinen Strickkursen und Büchern ist er dort als „Strick-Sensei“ bekannt geworden. Vielleicht steht auch bei dir schon eines seiner Bücher im Regal, etwa „Japanische Mützen stricken“ oder „Japanische Handschuhe stricken“. Seine Wahlheimat liefert ihm Inspiration für seine Entwürfe, und besonders interessieren ihn die Technik und der Aufbau hinter einem Design.


Mich spricht daran an, dass man beim Stricken immer wieder Neues entdecken kann. Selbst wenn man schon seit Jahren die Nadeln in der Hand hat, gibt es diese Momente, in denen man ein Strickstück anschaut und sich fragt: Wie hat er das bloß gemacht?

Und wenn man es dann selbst ausprobiert, versteht man plötzlich den Zusammenhang. Aus einer zunächst rätselhaften Form werden nachvollziehbare Schritte.


Um solche Schritte geht es in Bernds Workshop „Strukturstricken mit verkürzten Reihen“. Gemeinsam beginnt ihr den Wings ’N Wave Shawl, ein von ihm entworfenes Tuch. Verkürzte Reihen sind dabei das Werkzeug, mit dem ihr euch näher beschäftigt. Ihr strickt nicht jede Reihe über sämtliche Maschen, sondern wendet an bestimmten Stellen und arbeitet zunächst nur einen Teil weiter. Dadurch bekommen einzelne Bereiche zusätzliche Reihen, und das Gestrick entwickelt eine andere Form und Struktur.


Das klingt beim Lesen vielleicht noch etwas abstrakt. Deshalb ist es so hilfreich, Garn und Nadeln gleich in der Hand zu haben. Bernd erklärt die Technik, und ihr setzt sie unmittelbar an eurem Tuch um. Reihe für Reihe könnt ihr verfolgen, was sich verändert. Wenn eine Frage auftaucht, könnt ihr sie direkt an den Menschen richten, der das Tuch entworfen hat.


Und weil eine Kamera nicht mal eben neben euch Platz nehmen und auf eure Nadeln schauen kann, sind im Workshopraum auch unsere „Helferlein“ dabei. Sie unterstützen euch vor Ort, wenn ihr an einer Stelle unsicher seid oder einen Arbeitsschritt noch einmal nachvollziehen möchtet.

Manchmal reicht ein kurzer gemeinsamer Blick auf die Maschen, damit es weitergeht. Diese Unterstützung gehört für mich dazu, damit ihr euch im Workshop gut aufgehoben fühlt.


Für den gemeinsamen Strickvormittag nehmen wir uns drei Stunden Zeit. Der Workshop findet am Samstag, den 5. Juni 2027, von 10:15 bis 13:15 Uhr statt. Der Wings ’N Wave Shawl wird in dieser Zeit begonnen. Niemand muss auf die Uhr schauen und versuchen, ein ganzes Tuch fertigzubekommen. Ihr sollt die Technik kennenlernen und eine Grundlage haben, auf der ihr zu Hause weiterstricken könnt.


Die Anleitung ist im Workshoppreis enthalten und wird euch bereits vor dem Wolltastisch zugesendet. Ihr könnt sie also vorab anschauen und zum Workshop mitbringen. Anschließend begleitet sie euch beim Fertigstricken. Bitte behandelt sie dabei so, wie man auch mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Entwurf umgehen sollte: Sie ist für euren persönlichen Gebrauch bestimmt. Eine Vervielfältigung oder Weitergabe an Dritte ist ausdrücklich untersagt.

Zum Workshop bringt ihr etwa 200 Gramm Garn mit einer Lauflänge von 350 bis 400 Metern je 100 Gramm und die dazu passenden Stricknadeln mit.

Vielleicht habt ihr schon ein Garn im Kopf, das seit einiger Zeit auf das richtige Projekt wartet. Ein neues Tuch wäre doch ein schöner Anlass, es endlich auf die Nadeln zu nehmen.


Nach dem Workshop bleibt noch reichlich Festivalzeit. Ihr könnt durch die Halle und über das Außengelände schlendern, andere Wollbegeisterte treffen und vielleicht schon eure ersten Erfahrungen mit den verkürzten Reihen austauschen.

Ich bin jedenfalls gespannt, eure angefangenen Tücher zu sehen. Es ist immer wieder schön, wie unterschiedlich ein Design wirkt, sobald verschiedene Menschen mit ihren eigenen Garnen daran arbeiten.


Am Sonntag holen wir Bernd noch einmal nach Warmbronn:


Unsere Verbindung nach Japan endet nicht mit dem Workshop. Am Sonntag, den 6. Juni 2027, um 11:15 Uhr wird Bernd für ein Interview auf der Festivalbühne live zugeschaltet.

Dann steht das Gespräch mit ihm im Mittelpunkt. Auch wenn du nicht am Workshop teilnimmst, kannst du ihn dort kennenlernen.


Ich freue mich auf diesen Blick über den Rand unseres eigenen Strickalltags hinaus. Beim Wolltastisch kommen Menschen zusammen, die ihre Begeisterung für Wolle und Handarbeit teilen. Mit Bernd reicht diese Begegnung bis nach Japan. Und am Ende nehmen einige von euch ein begonnenes Tuch mit nach Hause, dessen erste Reihen wir gemeinsam mit seinem Designer gestrickt haben.


Das finde ich eine ziemlich schöne Erinnerung an unser erstes Wollfestival in Warmbronn.


Ich freue mich auf alles!

Eure Gruni

 
 
 

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